Unsere Studie zur Zukunft von Gesundheitsdaten „Wegweiser zu einer forschungskompatiblen elektronischen Patientenakte“

Bei einem Parlamentarischen Abend im Deutschen Bundestag wurde die Studie „Zukunft Gesundheitsdaten – Wegweiser zu einer forschungskompatiblen elektronischen Patientenakte“ vorgestellt, die wir gemeinsam mit der Bundesdruckerei erarbeitet haben.

Dabei sind unterschiedliche Perspektiven und Expertisen eingeflossen und die beiden Autor*innen Ramak Molavi und Michael Kolain aus dem iRights.Lab-Team haben die aktuellsten Entwicklungen berücksichtigt. 

Damit Deutschland die Potentiale der Digitalisierung auch im Bereich eHealth nutzen kann, müssen zentrale Herausforderungen gemeistert werden: 

  • Sichere, robuste, leicht zu bedienende Infrastruktur
    Es muss eine flächendeckende und robuste Telematikinfrastruktur aufgebaut werden. Diese muss für alle Seiten gut nutzbar und einfach zu bedienen sein. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, muss eine nicht an der Datenverwertung kommerziell interessierte Vertrauensstelle muss die Infrastruktur samt allen notwendigen Funktionalitäten zur Verfügung stellen. Die Nutzung sollte für die Patienten kostenlos sein.

  • Patientensouveränität
    Gesundheitsdaten werden dezentral gespeichert und der Patient verwaltet die Zugriffsrechte autonom über eine sichere Infrastruktur, die alle nötigen Funktionalitäten wie Identifikation und zertifizierte Pseudonymisierung oder die Möglichkeit der Weitergabe eigener Daten zum Zwecke der Forschung treuhänderisch ermöglicht. Diese Infrastruktur, die in der Studie “Datentreuhänder” genannt wird, sollte vom Staat kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

  • Forschungskompatibilität
    Sowohl bei der Diagnose als bei der Behandlung von Krankheiten bergen Gesundheitsdaten ein großes Potenzial. Damit die Nutzung und Zusammenführung dieser Daten mit dem Recht der Patienten auf besonderen Schutz ihrer sensiblen Daten nicht im Widerspruch steht, setzt die Studie auf verteilte Zuständigkeiten und legt einen besonderen Fokus auf die Sicherheit der Infrastruktur.

    Ein Vorschlag, der sich aus den Erkenntnissen ergibt, ist, dass ePA-Daten über einen abgestuften Prozess der Forschung zur Verfügung gestellt werden können. Eine Vertrauensstelle sorgt dabei für eine Pseudonymisierung – bei der die Identität des Patienten erschwert wird – oder einer bzw. Anonymisierung – bei der eine Re-Identifikation des Patienten ausgeschlossen wird – der Gesundheitsdaten. In einer anderen Institution, der Forschungsdatenstelle, werden die Gesundheitsdaten aufbereitet. Die sichere und anonyme Weitergabe kann dann an unabhängige wissenschaftliche Einrichtungen erfolgen. Dabei werden Gesundheitsdaten stets dezentral und fragmentiert abgelegt.
    Um die Bereitschaft der Patienten zur Unterstützung der Forschung durch Überlassung ihrer Gesundheitsdaten zu erhöhen, schlägt unsere Studie vor, dass die Forschungseinrichtungen im Gegenzug ihre Forschungsergebnisse in verständlicher, gut visualisierter Form der Öffentlichkeit und insbesondere den Patienten zugänglich machen. Die Zusammenkunft von Usability und Forschungskompabilität auf der Einen und Sicherheit, Robustheit und Datenschutz auf der Anderen ist ein Kernanliegen der Studie.

Für die gesamte Studie gilt, dass die souveränen Patient*innen und die Freiwilligkeit im Mittelpunkt stehen. Der Schutz von Gesundheitsdaten und die selbstbestimmte Verwertung muss also oberste Priorität genießen. Anders ist Vertrauen und somit der Erfolg der ePa nicht zu gewährleisten.

„Mit einer robusten Telematikinfrastruktur und einer versichertengeführten elektronischen Patientenakten entsteht ein digitaler Vertrauensraum für Gesundheitsdaten. An die Stelle einer diffusen Furcht vor gläsernen Patienten tritt das Leitbild eines souverän und selbstbestimmt handelnden Versicherten. Er nimmt seine Gesundheit und Genesung in die eigene Hand und verwaltet seine Gesundheitsdaten von seinem privaten Endgerät aus nach eigenem Belieben.“ (Studie: Zukunft Gesundheitsdaten)

Hier geht es zum Download der gesamten Studie.