Blockchain & Kryptowährung – Die Lösung aller Urheberrechtsfragen?

Erschienen in der Aprilausgabe des ProfiFoto Magazins 2018

Welches Potenzial bietet Ihrer Meinung nach die Blockchain-Technologie für den Bildermarkt?

Die Blockchain Technologie hat das Potenzial, Rechteklärung im Netz für jeglichen digital verfügbaren Content, also auch für Bilder zu vereinfachen. Zumindest bei digitalen Bildern fehlte bisher eine akzeptable Lösung. Bei Video und Musik haben sich mit Streaming Diensten, funktionierende Modelle etabliert, die zumindest eine Alternative geworden sind und gut angenommen werden.

Die Klärung von Rechten an digitalen Bildern ist nach wie vor für den privaten oder gewerblichen Nutzer (etwa Designer)  zeitaufwendig, komplex und so insgesamt unbefriedigend. Autoren/Urheber sind schwer zu finden, Kontaktmöglichkeiten sind rar, Lizenztexte sind oft für den Laien unverständlich.
Stockbilder sind nicht immer eine Option, da sie oft eine ganz bestimmte Ästhetik haben, die vielen privaten und gewerblichen Nutzern zu einseitig ist. Auch sind diese oft zu teuer.
Daher sind alternative Quellen besonders reizvoll. Es gibt bereits viele Quellen für kostenlose Bilder. Doch die Auswahl ist dort oft erratisch und auf nicht kommerzielle Nutzung beschränkt.

Für Urheber wiederum ist die Situation von Kontrollverlust und Abhängigkeit von Agenturen und Plattformen geprägt. Laden Urheber ihre Werke ins Netz, so verlieren sie die Kontrolle darüber und können auch nicht tracken, wer das Werk wie und wo nutzt. Das hindert sicher viele daran ihre Bilder und Fotografien ins Netz zu stellen.

Tun sie es doch, etwa in Sozialen Netzwerken, verlieren sie automatisch die Möglichkeit exklusive Rechte daran später auf einen Interessenten zu übertragen. Denn sie haben mit dem Upload bereits eine einfache Lizenz auf die Plattform (etwa Facebook) übertragen. Im Übrigen löschen die Plattformen in der Regel die sich auf dem Werk befindlichen Metadaten (wie Beispielsweise IPTC).

Was fehlt, ist eine funktionierende alternative Infrastruktur für den Handel mit einzelnen digitalen Werken, ganz ohne Intermediäre, direkt zwischen Urheber und Nutzer.
Die Blockchain Technologie eröffnet und ermöglicht diesen alternativen Markt, zusätzlich zu den klassischen Agenturen und den kostenlosen Bildersammlungen.

Das für einen funktionierenden Handel notwendige Vertrauen, Infrastruktur und Bezahlabwicklung sind auf und durch die Blockchain abbildbar. Die Blockchain Technologie bringt die Freiheit des direkten Handels mit digitalen Inhalten. Es wird gehandelt was gefällt, auf direktem Wege und unter eigens gesetzten Konditionen.

Die Schöpfer haben eine einfache Möglichkeit, ihre Inhalte einem Massenpublikum ohne Vermittler anzubieten und den Prozess der Vorauswahl (kuratierte Inhalte) und des Rankings zu durchlaufen. Somit können auch nicht-mainstream-orientierte Bedürfnisse besser bedient werden.

Nicht nur das. Es besteht auch die Chance, dass die dringend erforderliche Erneuerung und Harmonisierung des Urheberrechts durch die Entwicklungen der Blockchain Technologie eine neue Wendung nehmen. Defizite in der Rechtsdurchsetzung im digitalen Raum können ebenfalls durch den gezielten Einsatz von Technologie effektiv verringert werden. Diese Erkenntnis könnte die Urheberrechtsdebatte aus der Sackgasse führen, in der sie sich befindet.

Blockchain Technologie befindet sich in einer Testphase und durch die Reaktion der Nutzer werden die Modelle immer weiter verfeinert und den tatsächlichen Bedürfnissen angepasst. Es wird sich mit der Zeit erst herausstellen, in welchen Bereichen die Technologie Sinn macht und in welchen eben auch nicht.

Welche Chancen und Risiken bieten Copyright Register?

Ein Vorteil eines globalen Copyright Registers – falls die Frage darauf hinausläuft – wäre, dass man eine zentrale Such- und Anlaufstelle für Werke hätte. Doch eben nur auf hinsichtlich der registrierten Werke eben.

Wenn die Registrierung zugleich ein Beweis für die Urheberschaft wäre, dann könnte ein Copyright Register Rechtssicherheit schaffen. Doch ein Register schützt nicht davor, dass sich jemand sich durch die Erstregistrierung als Urheber eines Werkes ausgibt.

Eine zentrale Registrierung ist ohnehin problematisch aufgrund des unterschiedlichen nationalen Rechtsrahmens. Urheberrechte entstehen in Deutschland beispielsweise schon mit der Werkentstehung und nicht etwa erst durch eine Registrierung.

Mit der Blockchain Technologie bräuchte man keine zentrale Registerstelle für Urheberrechte. Denn die Blockchain IST das Register. Eine dezentrale Version, die viel besser zur Vielfalt der Entstehungs- und Vertriebswege passt. Mit einer Suchfunktion verknüpft, kann man die darauf registrierten Daten auslesen und bestimmte Werke und Urheber finden.

Bekommen die international tätigen Bildagenturen gerade eine ernstzunehmende Konkurrenz?

Geschäftsmodelle sind schon immer dem Wandel unterworfen. Sie kommen und gehen und es gibt keine Dauererfolgsgarantie. Die neuen Blockchain basierten Betriebswege sind sicherlich eine Konkurrenz. Den Bildagenturen ist dies völlig bewusst. Daher ist ihr Interesse groß, genau diese Alternativen, wie die Blochchain Technologie auch selbst zu nutzen und in ihr Modell Portfolio einzubinden. Es geht ihnen darum den Anschluss nicht zu verpassen und ebenfalls von der Technologie zu profitieren.

Kryptowährungen – welche Vor- und Nachteile haben sie im Bildgeschäft?

Außer der Bitcoin sind die sogenannten Kryptowährungen eben keine echten Währungen. Es sind Werte, die einer Chain zugesprochen werden.
Sie sind weitestgehend unreguliert. Es gibt sogar Warnungen von der EU Kommission hinsichtlich von Anlagen und Investitionen in Kryptowährungen, wobei auch sie den Bitcoin dabei ausnehmen.

Kryptowährungen befinden sich in einer Beta Phase. Es gibt über 100 solcher digitaler “Währungen” mit wachsender Tendenz und die Zeit wird zeigen, ob und wie sich einige durchsetzen und in welche Richtung die Regulierung geht, bis hin zum Handelsverbot.